Verdammt gute Sachbücher schreiben

Auf gut dreißig Seiten entwickelt Stephan Porombka in lockerem Erzählton vierzehn Regeln, wie man „ein verdammt gutes Sachbuch“ schreibt. Seine Rezepte lassen sich problemlos auf Wissenschaftskommunikation allgemein übertragen. Porombka ist Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste in Berlin. Der Ratgeber stammt noch aus seiner Hildesheimer Zeit.

Orientierung an den Leserinnen und Lesern

Die meisten Regeln haben mit den Leserinnen und Lesern zu tun. Der Autor oder die Autorin muss den Sachbuchmarkt kennen, wissen, was gekauft wird und was nicht, muss souverän und spielerisch und vor allem unterhaltsam und dramatisch erzählen. Er muss sich ziemlich gründlich überlegen, wo die Verbindung zwischen Buch und Leben der Leserinnen und Leser liegt. Am Ende geht es darum, dass die Leserinnen und Leser ein gutes Gefühl haben, nicht der Autor.

„Jedes populäre Sachbuch ist, gerade weil es anderen etwas vermitteln will, mit Blick auf die Leser geschrieben. Und weil es mit Blick auf die Leser geschrieben ist, muss es bestimmte Vorlieben (oder Lektüredispositionen) des Lesers bedienen“ (S. 7).

Wer schreibt, hat die Arbeit

Was der Autor oder die Autorin also zu tun hat, dient letztlich immer der Zielgruppenorientierung. Meine knappe Zusammenfassung von Porombkas Tipps:

  • Fakten und Zusammenhänge in einen Erzählbogen spannen, der so erscheint, als würde die Handlung wie von selbst vorangebracht.
  • Die Dramatik aus der Sache heraus entwickeln und nicht überstülpen.
  • Abstraktes durch Konkretes veranschaulichen, das Leserinnen und Lesern unmittelar einleuchtet.
  • Konkreter:
    • Im Gegenstand selbst nach Irritationen, nach konkreten Personen, Räumen und Aktionen suchen.
    • Solche Informationen und Eindrücke in einem Notizbuch möglichst akribisch festhalten.
    • Einen „Röntgenblick“ auf das Material entwickeln:

„Mit diesem Röntgenblick prüfen Sie das Material auf Stellen, in denen sich größere, abstrakte Zusammenhänge konkretisieren. Und mit diesem Röntgenblick (re)konstruieren Sie das dramatische Skelett ihres Gegenstands“ (S. 23).

  • Literarische Texte lesen und die Erzählweisen analysieren. Was lässt sich auf das Sachbuch übertragen?
  • Nicht nur geprägte Erzählweisen imitieren, sondern experimentieren, variieren und einen eigenen Stil entwickeln.

Nach der Lektüre ist klar: „Wenn Du wirklich verdammt gut sein willst, musst Du eine Menge dafür tun“ (S. 3). Aber man hat plötzlich Lust aufs Schreiben bekommen. Wenn es kein Sachbuch wird, dann vielleicht der Blog zum Dissertationsthema, ein Instagram-Kanal oder etwas anderes. Ein fesselnder Erzählstil, der analytische Blick aufs Thema und die Interessen der Zielgruppe sind ja immer entscheidend.


Stephan Porombka, Wie man ein (verdammt gutes) Sachbuch schreibt (Arbeitsblätter für die Sachbuchforschung 10), Berlin/Hildesheim 2006, online verfügbar unter: https://www.blogs.uni-mainz.de/fb05-sachbuchforschung/files/2012/09/Arbeitsblaetter_Sachbuchforschung_10.pdf (Zugriff am 03.03.2019).

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